8.7 C
Basel
Freitag, Februar 23, 2024

Buy now

330 Spielautomaten statt Kinderspielplatz in der St.Galler Shopping-Arena – das sind die Pläne der Konkurrenten

Bekommt St.Gallen ein neues Casino? Die Frage geisterte letztes Jahr schon einmal durch die Stadt. Da wurde bekannt, dass sich ein neuer, zweiter Glücksspiel-Anbieter bewirbt, für die nächsten 20 Jahre in der Stadt ein Casino zu betreiben. Jetzt macht der Mitbewerber Ernst: Das Baugesuch für das neue Casino in der Shopping-Arena liegt öffentlich auf.

Ab November soll dort für elf Millionen Franken ein Casino entstehen. Auf zwei Stockwerken, im zweiten und dritten Obergeschoss, dort, wo heute die Kinder-Indoorspielplätze Bambolino und Kids-Arena eingemietet sind.

Der Hintergrund für den Wettkampf: Die bisherigen Konzessionen zum Betrieb von Spielbanken laufen zum 31. Dezember 2024 aus. Bis 31. Oktober 2022 konnte man sich um die Konzession bewerben. Jetzt werden die Gesuche geprüft. Im Herbst wird der Bundesrat bekanntgeben, wer den Zuschlag für die nächsten 20 Jahre erhält.

Das neue Casino soll grösser werden als das bisherige

In St.Gallen kämpfen nun zwei Anbieter darum, das Casino betreiben zu dürfen. Zum einen die bisherige Betreiberin Swiss Casinos Gruppe; sie eröffnete 2003 das Casino im Radisson Blu Hotel.

Zum anderen die Casino Admiral Management AG. Aus deren Baugesuch geht hervor, was in der Shopping-Arena geplant ist. Aufgrund des Einzugsgebiets rechnet die Casino Admiral Management AG mit durchschnittlich 550 Besuchenden pro Tag. Geöffnet an 365 Tagen, rechnen die Betreiber also mit über 200’000 Besuchenden pro Jahr. Das Angebot soll 330 Geldspielautomaten und 17 Spieltische umfassen, sechs davon für American Roulette. Auf beiden Stockwerken ist je eine Bar vorgesehen, im oberen Geschoss zudem ein Restaurant mit 50 Sitzplätzen. Insgesamt sollen im geplanten Casino 120 Mitarbeitende tätig sein. 

Das bisherige Casino im Radisson Blu Hotel ist etwas kleiner als der Mitbewerber. Es bietet auf 1200 Quadratmetern 170 Glücksspielautomaten, 30 Terminals mit elektronischen Tischspielen sowie acht Spieltische (unter anderem für American Roulette). Für den Betrieb benötigt es 70,4 Vollzeitstellen. Für 2025 rechnet das Casino mit insgesamt 179’000 Besuchenden. Geöffnet an 365 Tagen, sind das rechnerisch rund 490 Gäste pro Tag.

Das Swiss Casino in St.Gallen rechnet für 2025 mit 179’000 Gästen; vorausgesetzt, es erhält die Konzession. Bild: Tobias Garcia (18. Dezember 2020) Quelle: BZ Basel

Noch sind die Pläne für das Casino in der Shopping-Arena Zukunftsmusik. Doch was passiert mit den Räumen, sollte der Bewerber die Konzession nicht erhalten? Die Shopping-Arena antwortet zurückhaltend. Man sei mit den Mietern der betreffenden Flächen in Kontakt und prüfe «allfällige Möglichkeiten». Diese hingen jedoch davon ab, wie der Konzessionsentscheid ausfalle. «Daher können wir zurzeit keine konkreten Angaben machen.»

Auch die bisherigen Betreiber wollen investieren

Viel Offenes also. Und eventuell viel Neues. Auch das «alte» Casino hat Neues vor, sollte es die Konzession erneut erhalten. Es seien Investitionen von mehreren Millionen Franken in die Infrastruktur, Innengestaltung sowie das Angebot geplant, so Richard Frehner, Casino-Direktor und Mitglied der Geschäftsleitung. Zudem wolle man prüfen, das gastronomische Angebot zu erweitern.

Die bisherige Betreiberin, die Swiss Casinos Gruppe, gibt sich selbstbewusst, Richard Frehner beantwortet die Fragen schriftlich und werbend, lobt die eigene regionale Verankerung und das Engagement für die Gesellschaft, das stehe ganz oben auf der Agenda.

Richard Frehner, Direktor Swiss Casino St.Gallen. Bild: Tobias Garcia

Regional verankert? Klar, antwortet Casino-Direktor Frehner. St.Gallen-Bodensee-Tourismus besitze zwei Prozent des Aktienkapitals. Andreas Deuber, Präsident des Vereins St.Gallen-Bodensee-Tourismus, sitze im Verwaltungsrat und beeinflusse so die strategische Ausrichtung des Casinos. Und man investiere jährlich rund 600’000 Franken in den Tourismus sowie 125’000 Franken in kulturelle und soziale Projekte. So würden verschiedenen Sportklubs in der Region unterstützt, Theaterproduktionen, oder die Stiftung Suchthilfe. Das «rein schweizerische Unternehmen» führe vier Casinos und sei Marktleaderin in der Schweiz.

Auch Stadtpräsidentin Maria Pappa rührt die Werbetrommel. In der Broschüre, mit der die Gruppe sich um die neue Konzession bewirbt, wird Pappa zitiert: Das Unternehmen garantiere einen schönen Spielgenuss, das Casino St.Gallen geniesse einen ausgezeichneten Ruf.

Bezüglich des Konzessionsgesuchs der Admiral Management AG sei ihm nur bekannt, was in der Presse zu lesen war, so Frehner. Doch es gebe einen wesentlichen Unterschied zum Projekt der Konkurrenten: Die Lage. Frehner schreibt, sein Casino im Radisson Blu Hotel sei gut erreichbar, auch zu Fuss, zentral in der Stadt und unweit der Olma-Messen.

Was geschieht, sollten er und die Swiss Casino Holding AG die St.Galler Konzession nicht mehr erhalten? «Sollte sich der Bundesrat tatsächlich gegen ein Casino am bewährten Standort entscheiden, werden wir den Betrieb bis Ende 2024 mit unserem gewohnt attraktiven Angebot weiterführen», schreibt Richard Frehner. Und schliesst die Mail «mit spielerischen Grüssen».

«Unser Projekt ist kein Angriff auf das bestehende Casino»

Nachgefragt mit Dominik Racic vom Management Board der ACE Swiss Holding AG. BZ Basel

Warum wollen Sie nach St.Gallen expandieren?

Dominik Racic: Wir sind seit über 20 Jahren im Schweizer Casinomarkt tätig und stets bestrebt, mit unserem Admiral Casino in Mendrisio neue Akzente zu setzten und in Innovation zu investieren. Beispielsweise im Bereich des Gaming-Angebots und der Nachhaltigkeit. Das Projekt für ein Konzessionsgesuch in St.Gallen wurde an unsere Gruppe herangetragen. Am attraktiven Standort St.Gallen möchten wir die Möglichkeit nutzen, unser Engagement und unsere Verankerung in der Schweiz mit einem modernen Angebot weiter auszubauen.

Über die Konzession wird erst im Herbst entschieden. Was, wenn Sie diese nicht bekommen?

Wir wissen mit unternehmerischem Risiko umzugehen. Der Konzessionsentscheid ist nicht anfechtbar – wir haben dies anlässlich der Projektierung entsprechend berücksichtigt.

Warum betreiben Sie eine aufwändige Planung ohne Sicherheit, die Pläne umsetzen zu können?

Die Anforderungen an ein Konzessionsgesuch sind tatsächlich sehr hoch und beinhalten unter anderem detaillierte Baupläne für das Casino. Ein Projekt für eine Casino-Konzession – schliesslich wird diese für die Dauer von 20 Jahren erteilt – erfordert unternehmerisches Engagement. Es sind Vorlaufkosten notwendig, die als Investition zu betrachten sind – im Wissen, dass der Konzessionsentscheid von vielen Kriterien abhängt. Wir sind überzeugt, den Entscheidungsgremien ein ausgereiftes und überzeugendes Projekt unterbreitet zu haben.

Wie hoch sind die Kosten der Planung?

Die Vorlaufkosten für das Konzessionsgesuch und die Planung sind wesentlich. Wir bitten um Verständnis, dass wir dazu keine Angaben machen.

Wieso sind Sie sicher, dass Sie die Konzession bekommen werden?

Unser Projekt am Standort Shopping Arena ist ausgereift und gut auf St.Gallen und das Einzugsgebiet abgestimmt. Gerade aufgrund der ausgezeichneten Lage, der optimalen Infrastruktur, der grosszügigen Casino-Fläche und eines sehr innovativen Gaming Angebots würde das vorhandene Potenzial bestmöglich ausgeschöpft. Sicherheit bezüglich der Konzessionserteilung gibt es nicht.

Haben Sie keine Bedenken, dass der bisherige Betreiber Ihnen gegenüber einen Vorteil hat?

Die Neuvergabe der Spielbankenkonzessionen ist ein wettbewerbliches, offenes Verfahren. Auch bisherige Betreiber haben im gleichen Umfang ein Gesuch für eine Neukonzession einzureichen. Unser Projekt ist kein «Angriff» auf das bestehende Casino St.Gallen – es hätten sich ja auch andere mögliche Anbieter bewerben können.

Wie unterscheidet sich Ihr Konzept von demjenigen der bisherigen Casino-Betreiber in St.Gallen?

Die Shopping Arena selbst hat grosse Vorzüge: Der Standort und die Parkplatzsituation sind für Besucherinnen und Besucher äusserst vorteilhaft. Im Falle einer Konzessionserteilung würden wir über 10 Millionen Schweizer Franken in einen modernen und innovativen Casino-Standort investieren und rund 120 Arbeitsplätze schaffen. Das diversifizierte Gaming-Angebot wäre wesentlich grösser als das Angebot im bestehenden Casino St.Gallen. Unser unternehmerisches Engagement soll auch in St.Gallen mit vielfältigen Projekten zugunsten der lokalen und regionalen Bevölkerung einhergehen. Mit mehreren St.Galler Organisationen aus den Bereichen Soziales, Kultur, Tourismus und Förderung von Jungunternehmen sind bereits Absichtserklärungen unterzeichnet worden. Wir würden uns freuen, diese Partnerschaften umsetzen und weiterentwickeln zu dürfen.

Dominik Racic, Management Board ACE Swiss Holding AG. Bild: PD, Quelle BZ Basel
SourceBZ Basel

Advertisement

spot_img