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Samstag, Juli 13, 2024

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Die Migros trennt sich von mehreren Töchtern

Der «orange Riese» speckt ab. Der Detailhandelskonzern will sich nicht nur von Geschäftsteilen trennen, sondern auch 1500 Mitarbeitenden.

Die Migros will sich von seinen komplizierten Strukturen befreien und schlanker aufstellen. Mehrere Formate passen nicht mehr ins Geschäftsmodell – darunter auch so traditionsreiche wie Hotelplan. Die Reiseanbieterin, die sich seit Duttweilers Zeiten im Konzern befindet und die zuletzt sehr profitabel war, hat keinen Platz mehr. Nebst Hotelplan gibt die Migros aber auch die Kosmetik- und Hygienetochter Mibelle sowie die Fachmärkte Melectronics und SportX auf.

Der Detailhandelskonzern will sich stattdessen auf die vier Kernbereiche Food, Non-Food, Gesundheit und die Migros Bank konzentrieren, erklärte dessen Führungsspitze am Freitag an einer Medienkonferenz.

Während auf der einen Seite abgespeckt wird, plant der Konzern auf der anderen Seite Investitionen. So buttert sie über die nächsten fünf Jahre rund 1,5 Milliarden pro Jahr in ihre Kerngeschäfte.

Investitionen in andere Bereiche

Das Geld fliesst in Preissenkungen, ein neues Ladenkonzept und in Verteilcenter für Denner sowie eine vergrösserte Logistik bei Digitec Galaxus. Auch das Online-Food-Angebot und die Produktion sollen ausgebaut werden.

«Wir wollen und müssen die Profitabilität in unseren Geschäftsfeldern wieder auf ein adäquates Niveau zurückbringen, um in Zukunft Investitionen vornehmen zu können», sagte Migros-Chef Mario Irminger.

Für den Verband Swiss Retail Federation kommt die Neufokussierung der Migros nicht überraschend. «In den letzten Jahren hat sich die Migros zu stark verzettelt und diversifiziert, sodass man mit den bestehenden beziehungsweise etwas adaptierten Strukturen nicht mehr überall mit den Best in Class-Wettbewerbern mithalten konnte», kommentierte der Verband auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP.

Zukunft der Fachmärkte noch unklar

Was mit den Verkaufsflächen der veräusserten Töchter in den Einkaufszentren passiert, wenn die Käufer diese nicht übernehmen wollen, ist noch unklar. «Es ist unsere Aufgabe, die Flächen weiterzuvermieten», sagte Irminger lediglich.

Und das könnte nebst SportX und Melectronics demnächst auch für die Verkaufsflächen der weiteren Fachmärkte zum Thema werden. Denn auch die Zukunft von Bike World, Do it + Garden, Micasa und Obi ist nach wie vor offen. «Die Migros-Fachmärkte sind in keinem Geschäftsfeld die Nummer 1 und können die Umsätze mit dem Onlinehandel nicht kompensieren», sagte Irminger.

Darum seien auch für sie Verkäufe nicht ausgeschlossen. Entscheiden will das Management Mitte Jahr. Bei der Suche nach neuen Eigentümern kämen generell «alle möglichen Interessenten» in Frage, die wettbewerbsrechtlich zugelassen seien.

Auch beim Industriebereich könnte der Abbau mit dem Verkauf von Mibelle, die etwa das Handy-Waschmittel oder die «I am»-Produkte herstellt, noch nicht abgeschlossen sein. «Wir planen keine Gesamtverkäufe mehr, können aber nicht ausschliessen, dass einzelne Geschäftsfelder innerhalb der Betriebe veräussert werden», stellte Matthias Wunderlin, Leiter der Migros Industrie, vor den Medien klar.

Ob das Wachstum in den Kernbereichen so funktioniert, wie die Migros sich das vorstellt, muss sich erst zeigen. Bei der Dentaltochter Bestsmile etwa muss die Migros 9 von 36 Filialen schliessen, weil diese «an ungünstige Standorte» expandiert hätten, hiess es vom Management.

Unia bestürzt über Stellenabbau

Rund 1500 Vollzeitstellen fallen den Abbauplänen zum Opfer. Der Konzern bedaure dies und wolle möglichst wenige Mitarbeitende entlassen. Arbeits- und Fachkräfte seien überall sehr gesucht, betonte die Migros. Ausserdem seien konzernintern 1400 Stellen ausgeschrieben.

Die Gewerkschaft Unia reagierte bestürzt: «Die Unia und ihre Mitglieder bei Migros sind schockiert über das Ausmass des heute angekündigten Stellenabbaus und fordern die Migros auf, alles zu unternehmen, um Entlassungen zu verhindern», liess sie in einem Communiqué verlauten. Das Unternehmen müsse als grösste private Arbeitgeberin ihre soziale Verantwortung wahrnehmen.

Die Migros zeigte sich vor den Medien verständnisvoll: „Wir haben grosses Verständnis für eine Phase der Verunsicherung“, betonte Nold. Sie hob aber hervor: «Wir sind überzeugt, dass mit den getroffenen Entscheiden, sowohl die Migros als auch die zu veräussernden Einheiten sich optimal auf erfolgreiche Zukunft einstellen.»

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