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Donnerstag, April 18, 2024

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Shoppen wie in den USA: Wie Einkaufscenter nach Zug kamen

Während manche Schweizer Einkaufscenter nach wie vor boomen, haben es andere schwer. Aber wann kamen die ersten Center in den Kanton Zug? zentralplus wirft einen Blick in die Geschichte der Zuger Shoppingmalls.

Heute sind Einkaufscenter aus der Schweiz nicht mehr wegzudenken. Den Anfang machte dabei der Kanton Luzern. In der Stadt Luzern eröffnete 1969 mit dem Einkaufscenter Schönbühl das erste Shoppingcenter der Schweiz (zentralplus berichtete). Wenig später folgte am 12. März 1970 mit dem Shoppi Tivoli in Spreitenbach das heute flächenmässig grösste Einkaufscenter der Schweiz.

Nachdem solche Einkaufstempel nach amerikanischem Vorbild in anderen Schweizer Städten Fuss gefasst hatten, zog auch der Kanton Zug nach.

Zugerland Shopping in Steinhausen

Ende der 1960er-Jahre suchte die Migros in der Region nach einem geeigneten Standort für ein Einkaufscenter und wurde in Steinhausen fündig. Nach der Ankündigung gab es jedoch rasch Opposition aus verschiedenen Kreisen. So stellten sich nicht nur der örtliche Detailhandel, der Umsatzeinbusse fürchtete, sondern auch die Dorfbevölkerung und Umweltschützerinnen gegen das «Zugerland». 

Durchsetzen konnte sich die Kritik allerdings nicht. Bei einer Urnenabstimmung am 5. Dezember 1976 sprachen sich rund drei Viertel der abstimmenden Bevölkerung für das Einkaufscenter aus. Damit war das «Zugerland» beschlossene Sache – bis zur Eröffnung sollte es aber noch rund drei Jahre dauern.

Als es am 28. September 1979 seine Tore öffnete, war es flächenmässig verglichen mit heute ein Zwerg. Auf etwa 6000 Quadratmeter waren 20 Geschäfte untergebracht. Heute erstrecken sich über 50 Geschäfte auf drei Etagen und rund 22’744 Quadratmeter Verkaufsfläche.

«Das ‹Zugerland› war seit dem ersten Tag eine Attraktion und der Ansturm gross», erinnerte sich Philippe Gerber in der «Luzerner Zeitung». Er war ab 1981 mehrere Jahre Food-Verantwortlicher im Migros-Supermarkt. Die Zuger Bevölkerung schätzte die Angebote unter einem Dach, das «Zugerland» mauserte sich in den folgenden Jahren zu einem Einkaufscenter mit überregionaler Ausstrahlung.

Das «Zugerland» wächst um das Dreifache

So schrieben die «Luzerner Neuste Nachrichten» am 10. März 1995 (dem 15. Jubiläum des Zugerlands): «Ein sehr gutes Ergebnis konnte das Steinhauser Einkaufszentrum ‹Zugerland› in seinem 15. Jubiläumsjahr erreichen. Mit einer Zunahme von 4,38 Prozent oder 7,11 Millionen Franken wurde ein Gesamtcenterumsatz von 162,66 Millionen Franken erzielt.» Rund 3,5 Millionen Kundinnen seien im Jahr 1994 ins «Zugerland» gepilgert.

Der Besucherandrang führte dazu, dass der Platz langsam eng wurde. Nach einem gross angelegten Umbau wurde das Center im September 2005 mit einer mehr als verdreifachten Fläche wieder eröffnet. 

Heute sorgen nebst dem grössten Migros-Supermarkt der Zentralschweiz, einem Kinderparadies, verschiedenen Gastroangeboten und der grössten Recyclingstation im Kanton dafür, dass sich das Einkaufscenter Zugerland zu einem Treffpunkt gemausert hat. Einer, der heuer wieder einem Facelifting unterzogen wird. Über die kommenden Monate wird das Einkaufszentrum grundlegend erneuert und umgebaut – bei laufendem Betrieb (zentralplus berichtete).

War zuerst da: die «Neustadt Passage»

Wenn man den Begriff «Einkaufscenter» etwas weiter fasst, müsste die Goldmedaille im Rennen um das erste Einkaufscenter im Kanton Zug an eine andere Adresse gehen. Nämlich an die «Neustadt Passage» in der Stadt Zug – nur einen Steinwurf von der Einkaufsallee Metalli entfernt, zu der wir später noch kommen.

Eröffnet wurde die «Neustadt Passage» im Jahr 1970, also noch Jahre vor dem «Zugerland» in Steinhausen und der Metalli-Überbauung. Damals lag die Passage noch ausserhalb des Stadtzentrums und hiess offiziell Neustadt Center. 18 Ladenflächen sind in dieser Ladengasse untergebracht. Einige, wie etwa Coop, Denner, der Kiosk oder der Käsespezialist Dubach, sind seit der Eröffnung dabei. 

Seit der Eröffnung vor über 50 Jahren hat sich die «Neustadt Passage» optisch gewandelt. Einst noch gedeckt, wurde bei einem grossangelegten Umbau im Jahr 1986 eine Eisen-Glas-Konstruktion eingebaut, sodass heute Sonnenlicht hineinscheinen kann. Der Luzerner Fotograf Emanuel Ammon hat 1987 Teile der Bauarbeiten, wie etwa die Platzierung der Dachkonstruktion, fotografisch festgehalten. 

Wer den Blick von der Decke oder den Schaufenstern auf den Boden richtet, sieht den «Walk of Fame». In den Steinplatten sind die Handabdrücke und Autogramme von berühmten Zuger Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Sport verewigt.

Kaffee statt Metall: Einkaufsallee Metalli

Kein Shoppingcenter im eigentlichen Sinne und doch Dreh- und Angelpunkt für die Stadtbevölkerung ist die Einkaufsallee Metalli mitten in der Stadt Zug.

Die Geschichte des beliebten «Zuger Lebenskerns», wie sich das Metalli auf der Website nennt, begann allerdings schon früher. Drehen wir also die Zeit ein Stück zurück bis ins Jahr 1881. Damals nämlich erbaute die «Actiengesellschaft Email- & Metallwaren Fabrik Zug» die erste grosse Fabrikanlage in der Stadt Zug am Standort der heutigen Einkaufsallee. Viel Erfolg konnte das Unternehmen allerdings nicht verbuchen, es ging rund fünf Jahre später bereits in den Konkurs. 

1887 wurde die Firma unter dem Namen «Metallwarenfabrik Zug» neu gegründet – und wurde fortan «Metalli» genannt. Die «Metalli» stellte in ihren aus Backstein gebauten Fabrikhallen Produkte für den Haushalt und das Gewerbe her. Zu einem nächsten grossen Schnitt kam es 1976, dann nämlich übernahm die Verzinkerei Zug – kurz: V-Zug – schrittweise die Produktionsbereiche der Metalli. Das Fabrikgebäude der Metalli an der Baarerstrasse wurde zunehmend obsolet – eine Anschlusslösung war gefragt.

Lag die «Metalli» zu ihrer Gründungszeit noch ausserhalb der Stadt, war das Areal nun inmitten des Siedlungsgebietes. Für die Umnutzung der 40’000 Quadratmeter grossen Fläche sah man deshalb eine städtische Nutzung mit Geschäften, Restaurants, Wohnungen und Büroflächen vor. Nachdem der Bebauungsplan vom Zuger Stimmvolk mit guter Mehrheit angenommen wurde, erfolgte 1983 der Abbruch der alten Fabrikgebäude.

Postmoderner Lebenskern für 500 Millionen Franken

Erbaut wurde die im postmodernen Baustil gestalteten Metalli-Überbauung in mehreren Etappen über einen Zeitraum von 1987 bis 1995. Den Anfang machten die als Metalli I bezeichneten Gebäudeteile, die vor allem aus Wohnräumen, Büroflächen, Läden und Dienstleistungsbetrieben bestand. Feierlich eröffnet wurde die Metalli I am 24. September 1987 und bot der Zuger Bevölkerung einen Ort, der sich in den folgenden Jahren allmählich zu einem Stadtkern entwickeln sollte. 

So sah die Metalli Einkaufsallee bei der Eröffnung im September 1987 aus. (Bild: Zug Estates) / Zentralplus

Bis 1995 kamen weitere Abschnitte dazu, wie etwa ein Kongresszentrum, eine UBS-Filiale sowie weitere Büroräume und Wohnungen. Gesamthaft kostete die Metalli-Überbauung rund 500 Millionen Franken.

Herti-Zentrum: Das jüngste Einkaufscenter in Zug

Als Abschluss noch ein Blick in das Quartier Herti in der Stadt Zug. Ab den 1960er-Jahren entstand hier etappenweise ein Wohnquartier. Nebst Wohnungen, der heutigen Bossard-Arena in der Nähe und einem Alterswohnheim fand hier auch ein einstöckiges Einkaufscentrum Einzug. Das Herti-Zentrum, das heute unter anderem eine Bäckerei, Kleidergeschäfte, eine Migros- und Denner-Filiale sowie eine Zahnarztpraxis beheimatet, öffnete im September 1983 seine Türen. 

Damit ist das Herti-Zentrum in Zug, das auf rund 4300 Quadratmeter Verkaufsfläche 16 Geschäfte beheimatet, das jüngste der grösseren Einkaufscentren im Kanton Zug. Es wurde 2020 umgebaut und saniert und aus der 80er-Atmosphäre in die Gegenwart gehoben (zentralplus berichtete). Ähnlich wie das Schönbühl-Center in Luzern sieht sich das Herti als Shopping-Center fürs Quartier.

So sieht der Eingang zur Neustadt Passage heute aus (Bild Zentralplus)
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